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10. Januar 2025, 14:05 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Beim winterlichen Spaziergang kann man gelegentlich kleine Kugeln entdecken, die auf dem Boden unter Eichen liegen. Manchmal scheinen sie auch an Blättern oder sogar an Eicheln zu kleben. Aber auch an anderen Pflanzen kann man diese Gebilde finden. Sie sind rund, manchmal leicht rötlich bis gelb und können verschiedene Größen haben. Es sind keine Miniaturäpfel, auch wenn sie so anmuten. Es handelt sich um den Nachwuchs der Gallwespe.
Mal sind die sogenannten Gallen rund, mal bilden sie tentakelartige Ausbuchtungen und wirken, wie von einem anderen Stern. Dass wir sie im späten Winter oft sehen, liegt daran, dass die Bäume ihre Blätter abgeworfen haben und sie auf dem Boden liegen. Auch im Herbst sind bereits Sichtungen möglich. myHOMEBOOK erklärt, was es mit den Kugeln auf sich hat und ob der Nachwuchs der Gallwespe sogar Schaden im Garten anrichten kann.
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Wie entstehen die mysteriösen Kugeln?
Die Kugeln oder auch tentakelartigen Gebilde werden als Gallen bezeichnet, informiert der Naturschutzbund Bremen. Häufig treten sie an Eichen auf, diese nennt man Eichengallen. „Gallen sind abnorme Veränderungen von Pflanzenteilen wie Wucherungen, Verdickungen oder blasige Gebilde auf Blättern, an Stängeln oder Wurzeln“, heißt es.
Das Besondere ist, dass die Larven, die aus den gelegten Eiern schlüpfen, nicht einfach nur größer werden und sich entwickeln, sondern die Gallen um sich herum wachsen lassen: „Die fleischigen, kugeligen oder zipfeligen Objekte sind das Werk von Bakterien, Fadenwürmern, Milben oder Insekten. Die kleinen Bauherren liefern dem Baum den Plan, wie das Haus auszusehen hat. An den eigentlichen Baumaßnahmen zur Errichtung der Galle beteiligen sie sich nicht. Sie zwingen die Pflanze mit Botenstoffen ihnen ein schützendes Dach über dem Kopf einzurichten, indem sie die Entwicklung von Pflanzenteilen umprogrammieren.“
Die Gallen können je nach Gallwespenart unterschiedlich aussehen und auch verschiedene Größen aufweisen. Die Gallwespe selbst ist im Vergleich zur Galle mit ein bis drei Millimetern eher klein. An einer Pflanze können mehrere Gallwespenarten gleichzeitig heranwachsen und Gallen bilden, schreibt die Stadt Hamburg.
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Die Gallwespe kann ein Schädling sein
Grundsätzlich ist die Gallwespe kein großes Problem im Garten. Laut des Regierungspräsidiums Gießen sind die Gallen an den Pflanzen eher harmloser Natur. Es gibt allerdings eine Gallenwespenart, die tatsächlich Schäden anrichtet – die Edelkastanien-Gallwespe. „Ihre Eier, die sie ausschließlich in Edelkastanien ablegt, sind so klein, dass sie mit bloßem Auge nicht sichtbar sind. Deutlich erkennbar sind dagegen die Schäden, die die Larven der Gallwespe an ihren Wirtsbäumen anrichten“, schreibt der Industrieverband Agrar (IVA). Ein starker Befall kann die Trieb- und Kastanienbildung beeinträchtigen. Ursprünglich stammt die Kastanien-Gallwespe aus Südchina, hat sich aber durch Pflanzenexporte auch europaweit ausgebreitet.
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Was kann man gegen Gallen tun?
Bei kleineren Pflanzen und einem mäßigen Befall, kann man die einzelnen Gallen händisch absammeln. Wird die Pflanze allerdings größer, ist auch das Absammeln kaum noch möglich. Es ist aber auch nicht unbedingt notwendig, da die Gallwespe keine großen Schäden an den Pflanzen anrichtet.
Bezüglich der Edelkastanien-Gallwespe ist laut des IVA eine wirksame Bekämpfung noch nicht möglich, allerdings scheint es Hoffnung zu geben. „In Japan und mittlerweile auch in Italien und Frankreich wird eine chinesische Schlupfwespenart als biologische Waffe eingesetzt. Die Wespe Torymus sinensis ist ein Parasit der Edelkastanien-Gallwespe“. In Japan hätte man bereits Erfolge erzielen können, heißt es.