
3. Oktober 2023, 6:03 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Wer will nicht gern auf einem Loveseat Platz nehmen? Das Sitzmöbel hat mit dem wohlklingenden Namen kein Problem, das passende Publikum zu finden. Mit seinen ungewöhnlichen Dimensionen macht er allerdings auch Individualisten froh. myHOMEBOOK-Autorin und Interior Designerin Odett Schumann klärt über das besondere Möbelstück auf.
Loveseats kennt man vor allem von Kinobesuchen. Meist tummeln sich hier – dem Namen entsprechend – verliebte Pärchen, die sich so noch näher sein können als in herkömmlichen Sitzen, wo sie „unglücklicherweise“ von einer Armlehne getrennt werden. Mittlerweile haben es Loveseats sogar in den heimischen Wohnraum geschafft. Und auch hier kommen sie vorrangig ihrer Bestimmung als Gemütlichkeitspender nach. Ob als Paar, allein oder mit dem geliebten Haustier – es ist und bleibt ein Ort zum Kuscheln. Allerdings gibt es auch noch andere Gründe, warum der Loveseat aktuell immer häufiger Teil vieler Einrichtungen ist.
Weder Sessel noch Sofa
Zugegeben, der Name des Loveseats weckt verschiedene Assoziationen. Die einen erinnern sich dabei an den letzten gemeinsamen Kinoabend im gemütlichen Doppelsitz, andere wiederum denken an ein Möbelstück mit leicht anstößiger Bedeutung. Doch davon einmal abgesehen, ist es primär die Form des Sitzmöbels, die alles andere als eindeutig ist: Zu klein für ein gängiges Sofamaß, zu groß für einen klassischen Sessel.

Was für ein Möbel ist der Loveseat dann? Tatsächlich handelt es sich hierbei gewissermaßen um ein 1,5-faches Sofa. Auf der üppigen Sitzfläche hat definitiv mehr als eine Person Platz, allerdings sollte dabei niemand ein Problem mit zu viel Nähe haben. Nur dann bietet sich der Pärchensitz für beide als komfortable Wahl an.
Ein Trend, der nicht von ungefähr kommt
Allerdings ist der Loveseat nicht nur aus einem akuten Kuschelbedürfnis heraus aktuell so en vogue. Hier spielt auch eine andere Entwicklung mit hinein: Schon seit einer ganzen Weile zeichnet sich der – vielmals nicht ganz freiwillige – Trend zur häuslichen Verkleinerung und zum Minimalismus ab.

Beide Aspekte sind nicht nur die logische Konsequenz eines Lebensstils, der mehr auf Nachhaltigkeit ausgerichtet ist. Das Leben mit Verzicht wendet sich vor allem gegen den enormen Konsumwahn sowie die horrenden Miet- und Immobilienpreise der heutigen Zeit. Nicht umsonst sind Tiny Houses, Vintage-Produkte und Multifunktionsmöbel seit einigen Jahren so gefragt.
Und weil gerade in Großstädten ein verkleinerter Wohnraum das Schicksal vieler ist, muss entsprechend auch das Inventar auf jenes Dilemma angepasst werden. An dieser Stelle kommen Möbel wie der Loveseat ins Spiel. Klein und kompakt in seiner Form ist dieser sehr viel flexibler in die eigenen vier Wände integrierbar als etwa eine sperrige Couch.
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Auch optisch eine gute Wahl
Der Loveseat profitiert definitiv von einer blumigen Namensgebung sowie einem positiven Image. Und auch optisch macht das Möbelstück, das standardisierten Formen und Normgrößen regelrecht zu trotzen scheint, viel im Interieur her.
Gerade im Hinblick auf Design ist ein deutlicher Hang zu ausgefallenen Looks erkennbar. Ob in Sichelform, mit komplett runder Sitzfläche oder als extrabreiter Ohrensessel – der Markt bietet hier viele ansprechende Optionen! Auch in puncto Farbe und Muster lohnt es sich, bei dem sonderbaren Minisofa etwas mutiger zu werden statt sich den üblichen Beige-, Braun- oder Grautönen hinzugeben.
Kurzum: Die bloße Anwesenheit eines Loveseats versprüht reichlich Raffinesse im Wohnraum. So ungewöhnlich die Optik meist ist, so unkompliziert ist das Sitzmöbel beim Einrichten. Heute am Fenster, morgen doch lieber in der Nähe vom Kamin? Kein Problem mit dem wendigen Loveseat. Und wer weiß, vielleicht eignet sich das unkonventionelle Möbelstück ja für diese eine Nische, wo sonst einfach nichts passen will.