
15. Oktober 2023, 12:58 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Der Begriff „Tête-à-tête“ steht unter anderem für ein Sitzmöbel, das Austausch und Nähe auf engem Raum ermöglicht. Gerade deswegen gilt es auch als zunehmend interessant für aktuelle Einrichtungskonzepte. myHOMEBOOK-Autorin und Interior Designerin Odett Schumann erklärt, warum das Möbelstück aktuell wieder im Trend ist.
Ist die Rede von einem Tête-à-tête, meint dies im herkömmlichen Sinne ein vertrautes Zwiegespräch oder sogar Stelldichein zwischen zwei Personen. Aber auch im Einrichtungskontext ist der Name ein Begriff, allerdings handelt es sich hierbei viel eher um ein Möbelstück – und zwar eines mit besonderer Form und Funktion.
Ein Sitzmöbel im Dienst der Kommunikation
Ursprünglich stammt die Bezeichnung „Tête-à-tête“ aus dem Französischen und bedeutet so viel wie „Kopf an Kopf“. Genau das demonstriert auch das Design des eher ungewöhnlichen Sitzmöbels: Dank seiner besonderen S-Form unterstützt das zweisitzige Sofa auf charmante Weise ein vertrautes Zwiegespräch. Dabei sind die gepolsterten Sitzflächen in der Form zweier Halbmonde gehalten, jedoch in entgegengesetzter Sitzposition ausgerichtet und schließlich in der Mitte miteinander verbunden.
Dadurch ist es möglich, dass sich zwei Personen während eines Dialogs direkt in die Augen schauen können. Über eine kleine tischähnliche Ablage konnten zudem Tassen mit Tee serviert werden. Mit verhältnismäßig niedrigen Arm- sowie Rückenlehnen war für den nötigen Komfort gesorgt.
Aufgrund seiner auffälligen Form stellte das Tête-à-tête-Sofa mehr Zugewandtheit und Nähe her. Gleichzeitig wurde durch die mittleren Armlehnen auch eine höfliche Distanz zwischen den beiden Parteien gewahrt. Seine Blütezeit hatte das besondere Möbelstück etwa im 19. Jahrhundert.
Modern interpretiert: Das Tête-à-tête heute
Mittlerweile findet das Tête-à-tête seinen Weg immer öfter wieder in den privaten, aber auch öffentlichen Raum. Nur ist es heute in seiner Gestaltung wesentlich weniger opulent gepolstert sowie ornamental verziert. Zeitgemäße Modelle sind in ihrem Design ausgesprochen minimalistisch angelegt.

Nicht selten fehlen sogar die markanten, trennenden Mittellehnen. Die ikonische S-Form des Möbelstücks ist dennoch erkennbar, auch wenn sie oft deutlich weniger schwungvoll, sondern stattdessen kastig anmutet. In jedem Fall ist die optimale Voraussetzung für ein Gespräch von Angesicht zu Angesicht – ohne dabei die Köpfe unangenehm verdrehen zu müssen – weiterhin gegeben.
Weil Themen wie Achtsamkeit und Austausch aktuell von großem Belangen sind, wundert es nur wenig, dass das ungewöhnliche Sitzmöbel vermehrt auch im öffentlichen Raum auftaucht. Mal mehr, mal weniger abweichend von seiner ursprünglichen Form, sieht man es etwa in Gärten, Hotellobbys, Office-Einrichtungen oder aber Parkanlagen. Möbel wie das Tête-à-tête-Sofa fördern die Kommunikation untereinander enorm.
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Für den privaten und öffentlichen Raum
Anders als bei herkömmlichen Sitzmöbeln, wo sich zwei Personen klassisch nebeneinander oder aber direkt gegenübersitzen, nimmt man beim Tête-à-tête-Sofa eine leicht versetzte, dafür jedoch deutlich zugewandtere Position ein.

Doch nicht nur die Art des Sitzens ist unkonventionell, auch ein veränderter Standort wird hier erforderlich. Für gewöhnlich befinden sich Couchmöbel an der Wand; im Fall des Tête-à-têtes muss eine vergleichsweise mittige Lage auf der Wohnfläche gewählt werden, damit beide Personen komfortabel Platz nehmen können.
Gleichzeitig fungiert das Möbelstück mit einem solchen Stellplatz gewissermaßen auch als eine Raumteiler. Mit einer freistehenden Positionierung sind die Sitzflächen für beide Personen optimal zugänglich und damit ein Grund mehr, warum das ungewöhnliche Möbel auch immer mehr im öffentlichen Raum stattfindet.