
21. Juli 2023, 11:24 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Egal, ob der Zaun, die Kommode oder das Gartentor: Manchmal braucht es einen neuen Anstrich, um Altes wieder in neuem Glanz erstrahlen zu lassen. Doch wie gut sind Lackfarben wirklich? „Ökotest“ hat 17 Lacke genauer unter die Lupe genommen.
Wenn Möbel oder andere Dinge mal einen neuen Anstrich brauchen, dann greift man in der Regel zu einer Lackfarbe. Wie umweltfreundlich beziehungsweise umweltschonend die sind, kann man unter anderem an dem Siegel „Blauer Engel“ erkennen – eigentlich. Denn eine neue Untersuchung von „Ökotest“ zeigt: Das Siegel kann auch irreführend sein. In der aktuellen Ausgabe (08/2023) hat „Ökotest“ 17 wasserbasierte Lackfarben untersucht. Das Ergebnis ist ernüchternd.
Lackfarben schneiden überwiegend schlecht ab
Von den 17 getesteten Lackfarben bekommt nur eine die Gesamtnote „gut“ von „Ökotest“. Die große Mehrheit, also insgesamt neun, sind „befriedigend“. Sechs Lackfarben sind gerade einmal „ausreichend“ und ein Lack bekommt nur die Note „mangelhaft“.
Überraschend auch für „Ökotest“, heißt es in der aktuellen Ausgabe. Denn Heimwerkerprodukte mit dem Siegel „Blauer Engel“ würden in der Regel „sehr gut“ abschneiden. In diesem Test ist es anders: 14 der 17 Lackfarben tragen die Kennzeichnung, keines ist davon besser als „befriedigend“. Das letztplatzierte Produkt „Pocoline Weißlack Seidenmatt“ ist trotz Siegels nur „mangelhaft“.
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„Blauer Engel“-Produkte können „Ökotest“ nicht überzeugen
Bei den getesteten Lacken handelt es sich um wasserbasierte Farben. Aus diesem Grund, so heißt es bei „Ökotest“, benötigen solche Rezepturen eine effektive Konservierung. Sieben der getesteten Lackfarben setzen dabei auf Chlormethylisothiazolinon (CIT). Dieses haben laut den Experten ein besonders hohes allergenes Potenzial und gehe in die Raumluft über. Deswegen kommt „Ökotest“ zu dem Schluss, dass Heimwerkerprodukte frei von diesem Inhaltsstoff sein sollten.
Die Experten betonen, dass sie in dem Fall strenger als der „Blaue Engel“ vorgehen – dort ist ein Maximalrückstand von 15 Milligramm pro Kilogramm erlaubt. Ein großes Problem allerdings: Einige Hersteller haben entgegen den Vorschriften das Mittel auf der Verpackung nicht angegeben, obwohl es im Labor eindeutig nachgewiesen werden konnte.
Im letztplatzierten Produkt war das ebenfalls der Fall: Dort wurden unter anderem auch flüchtige organische Verbindungen (VOC) nachgewiesen. Diese dünsten nach außen aus und können etwa zu Müdigkeit, Kopfschmerzen und Unwohlsein führen. Auf den Verpackungsangaben hieß es allerdings, dass die Lackfarbe nahezu lösungsmittelfrei sei, beziehungsweise ein bestimmter Wert nicht überschritten werde. Das war laut Laboruntersuchungen allerdings nicht der Fall.
Was ist der „Blaue Engel“?
Beim „Blauen Engel“ handelt es sich um ein Umweltzeichen für Produkte und Dienstleistungen, die besonders umweltschonend sind. Es wird seit 1978 vergeben. Produkte, die den „Blauen Engel“ als Siegel tragen, sind nicht vollständig unbedenklich – es kennzeichnet lediglich, dass das Produkt umweltfreundlicher ist als andere der jeweiligen Produktgruppe.
Testsieger überrascht
Beim Testsieger handelt es sich überraschenderweise um eine Lackfarbe ohne das Siegel „Blauer Engel“: Mit der Note „gut“ abgeschnitten hat der „Auro Weißlack matt“. „Ökotest“ hat in dieser wasserbasierten Lackfarbe nur geringe Mengen von flüchtigen organischen Verbindungen nachgewiesen.

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So wurde getestet
Getestet wurden insgesamt 17 wasserbasierte Lacke in der Farbe Weiß. Alle Produkte sind für den Innen- und Außenbereich geeignet – für Holz, verschiedene Metalle und bestimmte Kunststoffe. In einem spezialisierten Labor wurden die Lackfarben dann auf ihre Inhaltsstoffe untersucht. Anschließend wurde dann überprüft, ob die gefundenen Stoffe auch auf den Verpackungen aufgeführt wurden.