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myHOMEBOOK-Interview

Warum man Pflanzen-Influencer „Robinga Schnögelrögel“ kennen sollte

Robinga Schnögelrögel
Robinga Schnögelrögel ist „Pflanzen-Influencer“ und berichtet regelmäßig aus seinem Naturgarten Foto: privat / Robinga Schnögelrögel
Felix Mildner
Redaktionsleiter

10. November 2023, 13:50 Uhr | Lesezeit: 8 Minuten

Robin König – besser bekannt als „Robinga Schnögelrögel“ – nennt sich selbst „Plantfluencer“. In den sozialen Medien begeistert er mehr als 100.000 Fans mit seinen witzigen, aber auch informativen Beiträgen direkt aus seinem Garten. myHOMEBOOK hat mit ihm gesprochen.

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„Robinga Schnögelrögel“ bewirtschaftet einen naturnahen Garten in Berlin-Pankow. Manch einer würde auch sagen, dass er ziemlich verwildert ist. Doch genau dafür schlägt das Herz des 24-Jährigen, der regelmäßig auf Instagram seine Community mit unterhaltsamen Videos aus dem Garten versorgt. „Hobbymäßig seit drei Jahren und erfolgreich seit ungefähr sechs Monaten“, erklärt er im myHOMEBOOK-Interview – natürlich via Smartphone direkt aus seinem Garten. Mit einem gepflegten Rasen kann er wenig anfangen, wichtiger sind ihm heimische Pflanzen, die auch einen Mehrwert für Insekten bieten. Ein Thema, das nicht so recht zu Social Media passen mag? Fehlanzeige!

„Robinga Schnögelrögel“ im Garten-Interview

myHOMEBOOK: Robin, bist du als „Robinga Schnögelrögel“ mittlerweile eigentlich hauptberuflich im Garten unterwegs? Und was machst du, wenn du nicht im Garten bist?
Robin König
: „Ja, inzwischen schon. Vor einigen Monaten habe ich sogar meine Selbstständigkeit angemeldet. Wenn ich nicht im Garten bin, dann schaue ich Dokumentationen, kaufe mir Pflanzen und Bestimmungsbücher oder lese Bücher über Artenvielfalt.“

Studierst du auch Biologie oder etwas Ähnliches?
„Ich habe mal Gartenbauliche Phytotechnologie studiert, aber nie beendet. Jetzt bin ich eingetragener Student der Agrarwissenschaften. Die Betonung liegt dabei aber auf eingetragen.“

»Der Mensch wird langsam immer einsamer auf diesem Planeten

Woher kommt bei dir diese Liebe zur Natur und zu Pflanzen?
„Das kam schon sehr früh. Ich kann mich gar nicht erinnern, mich jemals nicht für die Natur interessiert zu haben. Früher dachte ich immer, dass man beim Umweltschutz irgendwo auf Borneo im Wald rumhängen und die Leute von den Palmölplantagen schubsen muss, damit die Orang-Utans sich wohlfühlen. Später habe ich dann die Krefelder Studie gelesen und die besagt, dass 95 Prozent unserer Insektenmasse in den letzten 27 Jahren verschwunden ist. Der Mensch wird langsam immer einsamer auf diesem Planeten – auch in Europa. Gerade beim Insektenschutz und der Artenvielfalt ist es hier nicht besser als im Regenwald oder überall sonst auf der Welt.“

Hast du den Eindruck, dass Pflanzen in den sozialen Medien beliebter werden? Was denken die Leute darüber?
„Viele sind daran interessiert, wie man der Natur unter die Arme greifen kann. Aber vielen hat da jemand gefehlt, der sagt, wie es konkret geht. Aber ja, Pflanzen sind absolut im Trend und das wird sich auch nicht ändern, glaube ich. Immer mehr Leute ernähren sich vegan, haben sich in der Pandemie Zimmerpflanzen gekauft. Nachhaltigkeit ist mega im Trend und wird sich auch nicht ändern. Meine Bedeutung wird erst auf Social Media verloren gehen, wenn das Artensterben aufgehört hat. Und da sind wir noch ganz, ganz weit entfernt – zum Glück.“

Dazu passend: Insektenfreundlich Gärtnern – Experte gibt wertvolle Tipps

»Ich habe mir 25 Weiden bestellt

Kaufst du dir auch Pflanzen für deinen Garten?
„Ja, ich habe mir neulich Bäume bestellt. Konkret sind es rund 25 Weiden, die muss ich noch in den Boden bringen. Insgesamt habe ich über 150 Pflanzen hier – ich habe sogar mal angefangen, eine Excel-Liste zu pflegen.“

Und wie sieht es mit Zimmerpflanzen aus?
„Nur in der Anzuchtphase, also wenn ich plane, etwas draußen anzupflanzen. Aber ich habe keine Zimmerpflanzen, wie etwa eine Aloe vera oder eine Monstera. Das Problem dabei ist, dass mein Zimmer auf der Nordseite liegt, und da habe ich keine einzige Sonnenstunde. Wenn ich Bock auf Pflanzen habe, dann gehe ich einfach raus. Da muss ich nicht irgendwelche schattenliebenden Pflanzen aus der ganzen Welt importieren.“

Du meintest ja, dass du dir Weiden bestellt hast. Wie viel Geld hast du denn bisher ungefähr für deinen Garten ausgegeben?
„Ich habe den Garten jetzt seit drei Jahren unter meinen Fittichen. Da habe ich schon ein paar Tausend Euro ausgegeben. Aber genau kann ich das jetzt gar nicht sagen.“

Dein Garten ist ja möglichst naturbelassen und das sieht man auch. Hattest du da womöglich schon mal Probleme mit den Nachbarn bekommen, wenn es bei dir wuchert?
„Ganz am Anfang war das viel deutlicher zu spüren. Da fragten sich die Leute, warum ich Unkraut anbaue und Bilder davon mache. Ich habe es ihnen dann erklärt. Und heute ist es so, dass mich die Leute bei Instagram finden und dadurch neugierig werden. Aber das ist ja umso schöner, wenn sie sich dann für Pflanzen und Insekten interessieren.“

»Die Forsythie hat den Charme einer Plastikpflanze

Auf deinem Instagram-Kanal sagst du, dass du Forsythien nicht besonders magst. Was hast du denn gegen die Pflanze?
„Die Forsythie sieht cool aus, weil sie so viele Blüten hat. Aber ökologisch gesehen ist sie tot und hat den Charme einer Plastikpflanze. Kein Nektar, keine Pollen. Die Pflanze ist auch gar nicht evolutionär hervorgegangen, sondern wurde von Chinesen schon vor tausenden Jahren durch eine Kreuzung zweier Arten zusammengeworfen. Die Pflanze ist einfach nur langweilig.“

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Und welche Pflanzen magst du lieber?
„Die Kornelkirsche blüht, sieht genauso aus und darauf geht es richtig ab. Ich finde sie optisch auch viel ansprechender, weil die Blattmasse so schön symmetrisch ist. Die kommt bei mir aber erst nächstes Jahr. Im Frühjahr kann ich sie porträtieren, dieses Jahr hab ich es nicht geschafft.“

Wie viele Stunden bist du denn pro Woche im Garten?
„Zwischen einer bis acht Stunden am Tag. Es kommt immer darauf an, was ich so vorhabe. Funktioniert es mit der Aufnahme? Klappt das alles so, wie ich mir das vorstelle? Vorgestern hat es krass geregnet, da war ich nicht so viel im Garten. Wobei mich auch das nicht abhalten würde. Im Sommer war ich auch schon mal zwölf Stunden im Garten. Und ich habe auch schon mal hier geschlafen.“

Welche weiteren Pflanzen magst du noch gerne?
„Ich habe ein latentes Faible für Weiden entwickelt. Die sind einfach geil. Erstens sind sie schnellwüchsig, was mir gefällt. Zweitens sind sie extrem insektenfreundlich. Es gibt verschiedene Arten, die sich nur auf Weidenpollen und Nektar konzentriert haben. Und auch für die Falter spielen sie eine unfassbar wichtige Rolle. Weiden sind Futterpflanzen für über 200 Schmetterlinge, das ist einfach ein Brett. Das ist fast zehn Prozent der Gesamtpopulation an Falter in Mitteleuropa. Und dann gibt es noch ganz viele Käfer, die im Totholz von Weiden leben. An sich werden Weiden auch nur 60 Jahre alt – eine relativ kurze Lebensdauer für einen Baum. Es kann also sein, dass ich die überlebe. Das ist schon eine wilde Vorstellung.“

»Für Rasen bin ich einfach nicht der Typ

Viele deutsche Gartenbesitzer stehen auf ihren gepflegten Rasen. Der Aufwand mit Düngen, Vertikutieren und so weiter wäre nichts für dich, oder?
„Ich finde das mit dem Rasen ein wenig eigenartig. Man schneidet eine Rasenfläche, entfernt den Rasenschnitt, holt sich dann wiederum Dünger, weil man ja Nährstoffe durch das Schneiden des Rasens entfernt. Dann sind es wiederum zu viele Nährstoffe, dann muss ich wieder mähen. Und dann noch vertikutieren, um gegen das Moos vorzugehen. Das ist mir alles viel zu aufwendig für eine Fläche, die einfach nur da ist. Wenn man Kinder hat und die da gerne spielen wollen, ist das noch mal eine andere Sache. Aber auch da gibt es Pflanzen, die das relativ gut wegstecken können, die auch nicht so hoch werden und ungiftig sind. Aber für Rasen bin ich einfach nicht der Typ.“

Viele wollen auch den Insekten etwas Gutes tun und kaufen bestimmte Saatgutmischungen im Baumarkt oder im Pflanzencenter. Was meinst du dazu?
„Da bin ich ein bisschen eigen, vielleicht sogar etwas komisch. Ich will genau wissen, welche Art bei mir rumsteht. Ringelblume alleine reicht mir nicht. Welche denn genau? Es kann ja alles Mögliche sein. Häufig ist das dann irgendeine komische, bunte Mischung an Pflanzen, da muss man sehr genau auf die Rückseite schauen. Deswegen brauche ich auch immer die wissenschaftlichen Namen, nur dann ist eine hundertprozentige Bestimmung möglich. Man muss sie jetzt nicht auswendig kennen, aber kann sie einfach kurz bei Google eingeben, und erfährt mehr darüber. Etwa, woher die Pflanzen ursprünglich kommen. Man sollte sich schon ein wenig informieren, was man da tut. Da kommt man leider nicht drumherum.“

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Einfach mal Laub Laub sein lassen

Der Winter kommt näher. Was kann man denn jetzt noch im Garten für Insekten machen? „Ganz wichtig ist jetzt, das Laub liegenzulassen oder zumindest an Orten zu sammeln, wo es einfach Laub sein kann. Laub ist für verschiedenste Lebewesen extrem wichtig, fast schon ein Grundnahrungsmittel. Deswegen einfach mal Laub Laub sein lassen und nicht mit einer Pinzette jedem Blatt hinterherrennen. Das wäre schon mal ein guter Anfang, glaube ich.“

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Und was machst du im Winter im Garten?
„Dann werde ich natürlich weniger Zeit hier verbringen – vor allem, wenn tiefer Bodenfrost herrscht. Ich muss aber auch noch Vogelhäuschen bauen, und ein großes Insektenhotel. Also bis Mitte November habe ich hier oben im Köpfchen noch einige Ideen drin, die ich auch gerne noch erzählen würde. Ich will etwa den Leuten noch mal sagen, dass sie bitte das Laub liegen lassen sollen. Das ist echt wichtig. Also, Leute, bitte lasst euer Laub liegen. Ich habe euch lieb und passt auf euch auf.“

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