
26. März 2025, 5:33 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Wer durch einen Wald spaziert, sieht sie immer wieder: kleine Punkte, Striche oder Zahlen auf der Baumrinde. Was aussieht wie Wald-Graffiti oder geheime Förster-Codes, sind in Wahrheit ein lesbares System – wenn man weiß, was die Symbole bedeuten.
Wahrscheinlich sind Ihnen auch schon mal beim Waldspaziergang die verschiedenen Zeichen an den Bäumen aufgefallen. Doch was bedeuten die mysteriösen Symbole, etwa Striche, Kreise oder Buchstaben auf der Rinde? Tatsächlich ist diese Frage gar nicht so leicht zu beantworten, da sich die Markierungen an den Bäumen von Region zu Region unterscheiden können. Dennoch gibt es ein paar allgemeingültige Zeichen, die mehrheitlich in den Wäldern zum Einsatz kommen. myHOMEBOOK hat bei einem Experten nachgefragt, was die Symbole der Förster bedeuten.
Übersicht
Markierungen an Bäumen nicht überall einheitlich
Die Bäume im Wald werden im Rahmen der Bewirtschaftung mit verschiedenen Symbolen markiert. „Die Markierungen sind bundesweit nicht zwangsläufig einheitlich“, erklärt Michael Siefker vom Deutschen Forstwirtschaftsrat e. V. (DFWR) in Berlin auf myHOMEBOOK-Anfrage. „Auch in den einzelnen Bundesländern weichen die Forstbetriebe teilweise voneinander ab.“ Allerdings gibt es „sehr einheitliche Grundzüge“, wie der Experte erklärt. Die häufigsten stellen wir im Folgenden genauer vor.
Zwei übereinanderliegende, waagrechte Striche
Findet man diese Markierung an Bäumen, dann befindet man sich wahrscheinlich an einer sogenannten „Rückegasse“. Die markierten Bäume begrenzen links und rechts den äußeren Rand einer Gasse, die von Forstmaschinen genutzt wird. „Diese Maschinen dürfen aus Gründen des Bodenschutzes ausschließlich auf diesen Gassen Fahren“, erklärt Siefker. Die waagrechten Striche zeigen dabei zur Innenseite der Gasse.
Pfeil, R oder T
Bei jeder Rückegasse gibt es auch entsprechende Ein- und Ausfahrten. Ein Baum mit einem Pfeil oder den Buchstaben R oder T markiert die Einfahrt oder das Ende einer solchen Gasse.
Kombination aus Zahlen und Buchstaben
Diese Markierung deutet in der Regel auf Abteilungs- oder Eigentumsgrenzen hin. Hier endet oder beginnt also ein privates Waldstück. Bei der beispielhaften Markierung „28/a“ steht die Zahl (28) für die „Abteilung“ oder Parzelle, der Buchstabe (a) für die „Unterabteilung“. Allerdings gibt es in diesem Bereich auch viele Abweichungen.
Im „Kleinprivatwald“ können die Bäume auch mit den Anfangsbuchstaben des Eigentümers oder zwei doppelten Kringeln gekennzeichnet sein. Die Markierung bestehend aus Zahlen und Buchstabend sei laut Siefker aber deutlich häufiger zu finden als die Bezeichnung mit dem Namen – hier spiele mittlerweile nämlich auch der Datenschutz eine Rolle.
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Umlaufender Kringel (weiß)
Diese Markierung ist recht häufig an Bäumen zu sehen. „Bäume werden markiert, weil sie im Rahmen einer Durchforstung nicht entnommen werden sollen, während der Restbestand geerntet wird“, erklärt Siefker. Dieser Baum darf also nicht gefällt werden. Forstexperten sprechen dabei auch von sogenannter „Positivdurchforstung“. Allerdings können die Farben regional variieren.
Umlaufender Kringel (rot)
Der oftmals rote Kringel weist hingegen auf das genaue Gegenteil hin – die sogenannte „Negativdurchforstung“. Diese Bäume sollen explizit gefällt werden. Auch hier können die Farben regional variieren. Da sich die Markierungen bis auf die Farbe gleichen, kann es auch zu Verwechselungen kommen, erklärt der Experte. Deswegen gibt es „vor der Erntemaßnahme auch immer einen schriftlichen Arbeitsauftrag“ sowie eine Besprechung zwischen Förster und dem entsprechenden Forstunternehmen, um diese Details zu klären.
H oder B
Diese Markierungen können einen sogenannten „Habitat- oder Biotopbaum“ kennzeichnen. Er gilt als „wichtiges Element des Natur- und Artenschutzes“ und wird von der Ernte dauerhaft ausgenommen.
Hinweis: Neben den Symbolen der Waldwirtschaft gibt es auch noch die Markierungen von Wanderwegen. Diese sind in der Regel auf Infotafeln genauer erklärt und sollen Wanderern zur Orientierung dienen.

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Schadet die Farbe eigentlich den Bäumen?
Zur Markierung der Bäume kommt laut Siefker neben farbigem Zelluloseband vorwiegend Sprühfarbe zum Einsatz. Wirkt sich das womöglich auch auf die Gesundheit des Baumbestandes aus? Siefker gibt Entwarnung: „Die Sprühfarbe stellt keinerlei Beeinträchtigung für den Baum dar.“ Dieser ist nämlich durch seine massive Rinde gegen solche Einflüsse geschützt.